Donnerstag, 28. September 2023
4700
wäre die Zahl für einen schönen Text, ist es aber leider nicht... und muß als Gedächtnisprotokoll herhalten.

Nach einem netten Abend mit "den Jungs" folgt die Ernüchterung.

Zu früh in der Firma angekommen. Da das Zimmer noch besetzt war und wir keinen Aufenthaltsraum mehr haben (neuer CEO entschied das, BR spielte mit), wollte ich für den Kundentermin Kopien machen, statt nur auf der Bank direkt vor der Rezeption zu hocken.

Mag ja sein, daß ich viele Kopien hatte, aber die waren ausschließlich beruflich.
Jedenfalls schießt der exChef - nunmehr bloß Verkäufer - von irgendwoher heran und plärrt mich an, daß auch andere den Kopierer brauchen würden.
Pardon?? Ich steh da ja nicht zu meinem Vergnügen!?!
Die Kopien sind für den Kundentermin, Raum für uns gibt es nimmer und was soll überhaupt der Ton??
Und außerdem - die Verkäufer sind über die Straße. Soll er doch dort kopieren...
Davon habe ich aber nichts gesagt, mir nur gedacht.

Die BR kommt dazu und meint nur lapidar, sie müsse auch kopieren. (Für den Kundentermin, für den ich bereits kopiere.) Mehr nicht. Keine Einschreiten, wieder nur schön die Pappen halten, weil sie ja sooo gut mit dem exChef und dessen dem exCEO ist.
Sie hat ja schon im Mai, als es den Generalstreik gab, von dem sie angeblich nichts wußte, gezeigt, wie wichtig ihr unsere Vertretung ist.

Als ich mit dem Kopieren fertig bin, herrscht er mich noch einmal an ?!!
Da reißt mir der Geduldsfaden und ich sage sarkastisch, daß ich selbstverständlich nur für mich meinen Privatkram hier wohl kopieren, weil ich ja sonst nichts zu tun hätte.


Der hat sie doch nimmer alle. Zuerst die Aktion im Mai, jetzt das - offenbar ist der Höhenflug des Herrn mit Weggang des ehem. CEO im Sinken begriffen...

Aber deswegen muß ich mir sein Bashing trotzdem nicht gefallen lassen. Daß die Betriebsrätin nur Öl ins Feuer gekippt hat, statt zu helfen oder den Mund zu halten - ohne weiteren Kommentar.

... verpflanzen (0 Kommentare)   ... bewässern


Montag, 25. September 2023
Vom Vorsatzverschub
Nachdem ich das ganze Wochenende im Einsatz (also Pflege und auch beim Sport) war, war heute irgendwie Pause.
Und vor allem der Vorsatz: wer frei hat, liest keine Firmenmails!!

Reicht, daß mir so eines die letzten 3 Urlaubstage versaut hat und irgendwie gefühlt den freien Tag kontaminieren.


Am späten Mittag den Badmintonpartner zum Herbstkauf getroffen.
Das war sehr schön - gesehen haben wir uns schon 2 Monate (am vorletzten Julisonntag waren wir in der Heidi Horten Collection - RENDEZ-VOUS - Picasso, Chagall, Klein und ihre Zeit, nachdem er mit den Nachtzug vom Segeln zurückgekommen war) nicht, gesprochen miteinander fast genauso lange nimmer und auch für Mails, die über 3 Sätze hinausgehen, war keine Zeit.

Grad als ich mich auf den Weg zur Bücherrückgabe machen wollte, läutet eine Kollegin durch.
Kein gutes Zeichen - ich gebe ihr noch einmal meine Mailadresse und vertröste sie auf später.
So viel zum Vorsatz Mail - die Firma betreffend - paar Tage zu ignorieren...

... verpflanzen (1 Kommentar)   ... bewässern


Donnerstag, 21. September 2023
Vom Grabensbesuch
Heute also.
Das letzte Mal wird für uns noch aufgesperrt. Dann sind über 100 Jahre in die Tonne getreten.
Wer plant sowas mitten unter der Woche ab Mittag??

Mein Abendtermin war nach 18h fertig, dann also noch hinein in die Stadt. Ich bin eine Station früher ausgestiegen und über Schleichwege bewußt noch einmal den Weg zur Firma gegangen.

Von weiten habe ich sie schon am Balkon wichtigtuerisch Selfies machen sehen.
Warum macht man Selfies von einem Ort, den man selbst begraben hat?

Ich reiße mich zusammen. Die letzte Liftfahrt. Vorgewarnt, wie es oben aussehen wird, bin ich.
Der riesige Leuchter ist weg. Dafür sind da fast nur Leute, die ich nicht kenne.

Anscheinend vom Audit oder einem Betriebsausflug ist ein Haufen "Kollegen" (aber nicht unsere Ebene) aus dem Ausland da. Dazwischen ganz wichtig der Giftzahn.
Dem versuche ich nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen.

In einem Zimmer treffe ich eine Kollegin, die erst kurz vor der Pandemie bei uns anfing. Sie arbeitet aktuell vor allem online. Sie erzählt, wie es war, das erste Mal nach über 3 Wochen das Haus zu verlassen, weil ausnahmsweise mal etwas nicht online stattfand.
Sie schüttelt den Kopf.
Dann erzählt sie von der Ansteckung bei einer Geburtstagsfeier und dem Streß. Als Risikopatientin war das kein Spaß.

Sie weiß Dinge, die uns niemand erzählt.
Der Franchiser im Nachbarland würde gerade übergehen an Aufträgen. So sehr, daß er noch Standorte dazunehmen konnte.
Sie schüttelt den Kopf. Niemand versteht dieses dumme Entscheidung diesen Standort betreffend.
Irgendwann steht sie wohl in den "dümmsten wirtschaftlichen Entscheidungen" als Mahnbeispiel.

Wir sprechen kurz über das seltsame Buch, das ich nun benutzen muß.
Wer ist der Verkäufer, fragt sie. Der xy?
Ich grinse nur und verweiger die Aussage.
Immer der, sagt sie. Und kennt noch mehr Geschichten, die ich mir aber nimmer komplett anhöre. Sie muß weiter und ich zum Pflegling. Dann packt sie mir noch von ihrem selbstgemachten Kuchen ein.


Ich gehe in den Sozialraum und in die Küche.
Ich nehme ein Stück Klopapier mit, bevor ich in "mein" Zimmer gehe, das inzwischen ganz leer geräumt ist.
Ich sehe ein letztes Mal aus dem Fenster und gleite mit den Fingern über die Wand.

Ein letztes Mal durch das alte Stiegenhaus.
Von der Nachbarin hätte ich mich gerne verabschiedet.

... verpflanzen (0 Kommentare)   ... bewässern